Sonnenblumenmus in einem Glasbehälter, umgeben von Sonnenblumen und Saaten, symbolisiert innovative pflanzliche Proteinquellen.

26.11.2025 von Dr. Ligia de Souza

Alternative Proteine: Die Rolle der thermischen Charakterisierung

Alternative Proteine boomen – doch nur Zutaten, die während der Verarbeitung stabil und funktional bleiben, schaffen es in erfolgreiche Lebensmittelanwendungen. Thermische Charakterisierung mittels NETZSCH DSC und TGA zeigt, wie sich Proteine unter Hitze verhalten und hilft Herstellern, Textur, Haltbarkeit und Prozesse effizient zu optimieren. Unsere aktuelle Untersuchung zu Sonnenblumenprotein zeigt, wie solche Daten eine gezieltere Formulierung und verlässlichere Entwicklung pflanzenbasierter Produkte ermöglichen.

Warum alternative Proteine mehr als nur Nährwert brauchen: Die Wissenschaft hinter Struktur und Stabilität

Alternative Proteine verändern unsere Sichtweise auf Lebensmittel. Bohnen, Linsen, Erbsen und Samen sind seit Jahrhunderten eine Quelle für pflanzliches Eiweiß. Doch heute ist die Definition weiter gefasst: Algen, Mikroorganismen, kultiviertes Fleisch und sogar Insekten entwickeln sich zu potenziellen Quellen für eine nachhaltige Ernährung.

Der Aufstieg alternativer Proteine wird durch drei Schlüsselfaktoren vorangetrieben: die dringende Notwendigkeit, die Umweltauswirkungen der Viehzucht zu reduzieren, das wachsende Interesse der Verbraucher:innen an einer gesünderen Ernährung und die Sorge um das Wohlergehen der Tiere. Bevor diese Proteine jedoch auf unseren Tellern landen, müssen sie nicht nur ihren Nährwert, sondern auch ihre Funktionalität in Lebensmittelrezepturen unter Beweis stellen. Hier spielt die Wissenschaft eine entscheidende Rolle.

Proteine bestehen aus Aminosäureketten, die sich zu komplexen, dreidimensionalen Strukturen anordnen. Diese Strukturen sind empfindlich: Sie können sich bei Hitze, Druck oder chemischer Belastung entfalten oder zerfallen. Dieser Prozess wird als Denaturierung bezeichnet. In diesem Fall können Proteine wichtige Eigenschaften, wie beispielsweise ihre Löslichkeit oder ihre Fähigkeit, Texturen zu binden und zu stabilisieren, verlieren. In der Lebensmittelproduktion wirken sich diese Veränderungen direkt auf die Eignung eines Proteins als zuverlässiger Inhaltsstoff aus.

Es wird prognostiziert, dass der Markt für alternative Proteine weltweit von ca. 30 Milliarden USD auf 300 Milliarden USD im Jahr 2035 ansteigen wird. Der größte Teil des Marktes für alternative Proteine ist pflanzlicher Natur.

Dem Wärmeverhalten von Sonnenblumenprotein auf der Spur – mittels DSC und TG

Um diese Eigenschaften besser zu verstehen und zu kontrollieren, greifen Lebensmittelwissen-schaftler auf thermische Charakterisierungsmethoden zurück. Zwei der am häufigsten verwendeten Methoden sind die dynamische Differenzkalorimetrie (DSC) und die thermogravimetrische Analyse (TGA, oder auch Thermogravimetrie, TG). Die DSC misst die Temperatur, bei der Proteine denaturieren, und liefert somit Erkenntnisse über ihre Stabilität während der Verarbeitung. Die TG bewertet hingegen den Feuchtigkeitsgehalt, die Thermische StabilitätEin Material ist thermisch stabil, wenn es sich unter Temperatureinfluss nicht zersetzt. Eine Möglichkeit, die thermische Stabilität einer Substanz zu bestimmen ist die Verwendung eines TGA (thermogravimetrischer Analysator).thermische Stabilität und die Zersetzungsmuster und hilft so bei der Beurteilung des Verhaltens von Proteinen unter Hitzeeinwirkung.

In unserer aktuellen Application Note über Sonnenblumenprotein zeigen wir auf, wie thermische Charakterisierungstechniken mithilfe einer NETZSCH DSC 300 Caliris® die Entwicklung von Inhaltsstoffen unterstützen können. Sonnenblumenkerne werden in der Regel zur Ölgewinnung verarbeitet, wobei ein proteinreiches Nebenprodukt zurückbleibt. Bei einer Extraktion unter milden Bedingungen behält dieses Protein einen Großteil seiner natürlichen Struktur, was es zu einer vielversprechenden Option für pflanzliche Lebensmittel macht. Die thermische Analyse zeigte, dass Sonnenblumenprotein unterhalb von 100 °C Feuchtigkeit verliert, während eine wesentliche Zersetzung erst oberhalb von 200 °C auftritt. Mit einer Denaturierungstemperatur von etwa 99 °C weist das Protein eine Stabilität auf, die für Backwaren, Emulsionen und andere pflanzliche Formulierungen geeignet ist.

Diese Art der Analyse verdeutlicht, warum die thermische Charakterisierung so wertvoll ist. Durch die Untersuchung, wie Proteine auf Hitze reagieren, können Wissenschaftler und Hersteller die Haltbarkeit vorhersagen, die Verarbeitungsmethoden optimieren und sicherstellen, dass die Funktionalität im Endprodukt erhalten bleibt. Im Fall von Sonnenblumenprotein deuten die Ergebnisse auf ein echtes Potenzial für die Schaffung nachhaltiger, hochwertiger Lebensmittelalternativen hin.

Da die Nachfrage der Verbraucher nach alternativen Proteinen weiterhin wächst, wird die Fähigkeit, sowohl die ernährungsphysiologische als auch die funktionelle Leistung zu garantieren, ein entscheidender Faktor für den Markterfolg sein. Thermische Analyseverfahren wie DSC und TG bieten die notwendigen Werkzeuge, um dieses Gleichgewicht zu erreichen und die Lücke zwischen wissenschaftlicher Präzision und praktischer Lebensmittelinnovation zu schließen.

Lesen Sie die vollständige Anwendungsliteratur:

English Webinar: Alternative Proteins – Processing and Rheological Characterization

In this webinar, we will delve into the latest extraction technologies and analytical methods used to isolate and refine functional plant proteins. We will explore how these proteins can be tailored and optimized for use in extrusion-based processing, a common method for creating meat-like textures in plant-based products. Watch this webinar on demand and for free until December 31, 2025.

Erfahren Sie mehr zu NETZSCH Analysemethoden DSC und TG:

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