
28.10.2025 von Aileen Sammler
NETZSCH Proteus® AutoEvaluation und Identify: Intelligente Analyse auf Knopfdruck
In der thermischen Analyse kommt der Software eine ebenso zentrale Bedeutung zu wie dem Messgerät selbst. Mit dem Release von Proteus® 9.7 stellt NETZSCH seine fortschrittlichste Generation der Mess- und Analysesoftware vor. Lesen Sie mehr über deren Funktionen in unserer neuesten Blog-Reihe. Hier kommt Teil 2, der sich um die Funktionen Autoevaluation und Identify dreht!
Thermische Analysedaten liefern wertvolle Erkenntnisse, sind jedoch häufig anspruchsvoll in der Auswertung. Überlappende Übergänge, subtile Glasübergänge oder lichtinduzierte Effekte erfordern Fachwissen, Zeit und Erfahrung, um sie richtig zu interpretieren. Proteus® 9 begegnet dieser Herausforderung mit intelligenten Analysewerkzeugen, die Rohsignale in zuverlässige, reproduzierbare Ergebnisse umwandeln. Zwei der leistungsstärksten Features sind AutoEvaluationund Identify.
Haben Sie Teil 1 des Blogs verpasst? Hier finden Sie ihn:
AutoEvaluation – Konsistenz und Geschwindigkeit bei komplexen Daten
Traditionell hängt die Auswertung von DSC- oder TG-Kurven auch von der Erfahrung des Anwenders ab. Zwei Wissenschaftler können je nach gewählter Auswertungsmethode zu leicht unterschiedlichen Anfangswerten oder Übergangsenthalpien gelangen. AutoEvaluation beseitigt diese Variabilität durch die Anwendung intelligenter mathematischer Algorithmen, die alle Effekte in der Kurve autonom finden und auch atutonom auswerten.
Bei Polymerblends und -mischungen, in denen sich mehrere Glasübergänge oder Schmelzpeaks überlagern können, trennt AutoEvaluation diese selbstständig. So werden zum Beispiel bei einer Mischung aus PA6 (Polyamid 6) und ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) beide Übergänge ohne manuelles Zutun erkannt und gemeldet. Ebenso werden bei LDPE/PP-Mischungen (Low-Density Polyethylen/Polypropylen) mehrere Schmelzpeaks korrekt zugeordnet. Dies spart viel Zeit und sorgt für Konsistenz zwischen Anwendern und Laboren.
Eine weitere Anwendung findet sich in UV-Härtungsstudien. Bei der Analyse von lichthärtenden Klebstoffen, Beschichtungen oder 3D-Druckharzen wird das DSC-Signal häufig durch die Wärmezufuhr der UV-Quelle verfälscht. AutoEvaluation in Proteus® 9.7 korrigiert dieses Signal automatisch, bewertet die Reaktionsenthalpien und berechnet den Aushärtungsgrad. Die Ergebnisse liegen unmittelbar nach Abschluss der Messung vor – ganz ohne zeitaufwändige manuelle Korrekturen.
Auch die Glasübergangsanalyse ist standardisiert. Proteus® 9.6 und höher unterstützt alle in DIN EN ISO 11357-2 definierten Auswertungen, darunter die Methoden „Onset“, „Endset“, „Inflection Point“, „Midpoint“ und „Equal Areas“. Dies erlaubt eine internationale Vergleichbarkeit und Konformität in qualitätskritischen Branchen.


Identify – Datenbank-Power für eine schnelle Klassifizierung
Während sich AutoEvaluation auf Signale konzentriert, liegt der Fokus von Identify auf Materialien. Durch den Vergleich von Messkurven mit Referenzdaten liefert Identify innerhalb von Sekunden Klassifizierungsergebnisse. Die integrierte Datenbank umfasst mittlerweile 2.600 Einträge, darunter Polymere, organische Stoffe, Pharmazeutika, Metalle, Legierungen, Keramiken und anorganische Stoffe.
Identifydient allgemein zur automatischen Kurvenerkennung, Materialerkennung und somit zur Interpretation sowie zur Qualitätskontrolle. Darüber hinaus kann es als Archiv für Messungen und Messbedingungen genutzt werden.
Der Ablauf ist einfach: Eine Kurve wird geladen und Identify erstellt sofort eine Trefferliste mit Ähnlichkeitsrankings. Jeder Kandidat kann zur visuellen Bestätigung über die experimentelle Kurve gelegt werden. Selbst nicht ausgewertete Daten können verglichen werden, was den Screening-Ablauf erheblich beschleunigt. In der Qualitätskontrolle bestätigt Identify, ob ein eingehendes Material mit der erwarteten Charge übereinstimmt. In der Forschung hilft es Wissenschaftlern, unbekannte Materialien oder Verunreinigungen schneller zu erkennen.
Die NETZSCH Datenbank, die standardmäßig in Identify enthalten ist, wurde auf insgesamt 1350 Einträge erweitert. Dieser Datenbankumfang ist ab Proteus® 9.7 verfügbar.

SmartMode und ExpertMode – Benutzerfreundlichkeit für alle
Im SmartMode der Gerätesoftware Proteus® werden Benutzer durch Assistenten und vordefinierte Methoden geführt, was einen schnellen Einstieg ermöglicht und die Einarbeitungszeit verkürzt. Der ExpertMode bietet erfahreneren Benutzern oder solchen, die die umfangreichen Features der Software voll ausschöpfen möchten, vollen Zugriff auf die Symbolleiste, um die Auswertungen feinabzustimmen oder alternative Ansätze zu testen.
Durch die parallele Verfügbarkeit beider Modi können Labore unterschiedliche Benutzeranforderungen erfüllen, ohne an Flexibilität zu verlieren.
Einfacher Upgrade-Prozess
Das Upgrade auf Proteus® 9.7 ist unkompliziert. Kunden wenden sich zunächst an ihren lokalen NETZSCH-Vertriebs- oder Kundendienstmitarbeiter. Es wird eine Kompatibilitätsprüfung durchgeführt, um die unterstützten Elektronik- und Kopplungsgeräte zu bestätigen. Verwendet ein Labor mehrere Geräte, können Produktschlüssel nur für die Analyse bereitgestellt werden, sodass alle Daten in Proteus® 9 verarbeitet werden können, auch wenn nur ein System aktualisiert wird. Auf der Grundlage dieser Bewertung wird ein maßgeschneidertes Angebot erstellt, mit optionaler Installationsunterstützung durch den NETZSCH-Service. Die Installation selbst kann dann vom Kunden oder von Servicetechnikern durchgeführt werden.

Kompatibilität über das gesamte Portfolio hinweg
Proteus® 9 wurde als einzige Softwaregeneration für alle thermischen Analysegeräte von NETZSCH entwickelt. Die im Juli 2025 veröffentlichte Version 9.7 erweitert die Unterstützung noch weiter.
- Aktuelle Geräteserien: DIL 502 Expedis® (Supreme, Select, Classic) und TMA 512 Hyperion® (Supreme, Select), Accelerating Rate Calorimetry (ARC)Die Methode, die isotherme und adiabatische Testverfahren beschreibt, wird zur Detektion thermisch induzierter Zersetzungsreaktionen eingesetzt. Das Standardverfahren ist Heat-Wait-Search (HWS.ARC® 244 (neu), ARC® 305, DMA 303 Eplexor®, DSC 300 Caliris® (Supreme, Select, Classic), DSC 500 Pegasus®, HFM 706 Lambda, LFA 717 HyperFlash®, MMC 274, STA 509 Jupiter® (Supreme, Select, Classic), TG 309 Libra® (Supreme, Select, Classic).
- Geräte der vorherigen Generation und älterer Generationen : DSC 200 F3 Maia, DSC 204 F1 Phoenix®, DSC 214 Polyma, DSC 404 Pegasus® (F1 /F3 ), DSC 3500 Sirius, TG 209 F1 Iris/Libra®, TG 209 F3 Tarsus®,Accelerating Rate Calorimetry (ARC)Die Methode, die isotherme und adiabatische Testverfahren beschreibt, wird zur Detektion thermisch induzierter Zersetzungsreaktionen eingesetzt. Das Standardverfahren ist Heat-Wait-Search (HWS.ARC® 244, ARC® 254, HFM 436, HFM 446 Lambda, LFA 467 HyperFlash®, STA 449 Jupiter® (F1 /F3 /F5 ).
Dank dieser breiten Abdeckung kann fast jeder NETZSCH-Kunde von der neuen Softwaregeneration profitieren, unabhängig vom Alter des Geräts.
Vorteile für Labore
Die positiven Effekte dieser Funktionen liegen auf der Hand. Die Datenkonsistenz wird verbessert, da die Auswertungen nicht mehr von der individuellen Interpretation des Nutzers abhängen. Die Effizienz steigt, da sich wiederholende manuelle Aufgaben durch Automatisierung ersetzt werden. Die Zuverlässigkeit ist gewährleistet, da die Auswertungen den ISO- und ASTM-Normen entsprechen. Und vor allem werden Erkenntnisse schneller gewonnen: Ob es darum geht, eine unbekannte Polymermischung zu identifizieren oder den Aushärtungsgrad eines Harzes zu validieren – Proteus® 9 wandelt Messdaten schneller als je zuvor in verwertbares Wissen um.
Fazit
Mit AutoEvaluation und Identify verwandelt Proteus® 9 Auswerteschritte und -möglichkeiten in der thermischen Analyse in noch intelligentere sowie besser reproduzierbare Prozesse. Labore sparen Zeit und gewinnen tiefere Einblicke in die Eigenschaften ihrer Materialien. Durch die Kombination intelligenter Algorithmen mit leistungsstarken Datenbanken bietet NETZSCH Tools, die nicht nur erfahrenen Wissenschaftlern das Leben erleichtern, sondern auch Neueinsteigern ermöglichen, qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erhalten.
Wenden Sie sich an Ihren NETZSCH-Vertreter vor Ort, um mehr über die Aktivierung von AutoEvaluation und Identify in Proteus® 9 zu erfahren.

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